Zusatztherapien

Erstellt am 10.01.2014, Zuletzt geändert: 01.04.2020 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e131292

Zusatztherapien tragen unter anderem dazu bei, insbesondere bei Patienten mit der milden Hämophilieform, Substitutionstherapie (Zusatzgabe des fehlenden Faktors) einzusparen und dadurch das Auftreten von damit verbundenen möglichen Komplikationen (siehe unten) zu verringern sowie Kosten zu sparen. Folgende Zusatzbehandlungen kommen zum Einsatz:

Vasopressin (Desmopressin, DDAVP)

Vasopressin bzw. Desmopressin ist ein Botenstoff (Hormon), der die Konzentration des Gerinnungsfaktors VIII im Blut steigern kann. Je höher die Aktivität des Faktors VIII im Blut ist, umso wirkungsvoller fällt die Vasopressin-Gabe aus. Bei leichteren Verlaufsformen der Hämophilie A können daher weniger schwere Blutungsereignisse und auch kleinere operative Eingriffe mit Desmopressin behandelt werden. Desmopressin kann über eine Vene oder als Nasenspray gegeben werden.

Eltern sollten wissen:

  • Kleine Kinder, die jünger als 3 Jahre sind, sowie Kinder mit Anfallsleiden (Epilepsie), Herzerkrankungen oder bestimmten Urinausscheidungsstörungen (zum Beispiel Diabetes insipidus) sollten nicht mit Vasopressin behandelt werden
  • Vasopressin kann nach einer bestimmten Anzahl von Verabreichungen unwirksam werden
  • Patienten, die das Medikament im häuslichen Bereich bei Blutungen, wie einer verstärkten Regel- oder bei heftigem anhaltendem Nasenbluten als Nasenspray einsetzen, müssen sich streng an die vom Arzt festgelegten Dosierungen halten. Sie sollten also keinesfalls öfter sprayen, als es verordnet wurde oder die Pausen zwischen dem Sprayen verkürzen, denn Vasopressin beeinflusst den körpereigenen Wasserstoffwechsel so stark, dass es bei unkontrollierter Einnahme des Medikaments zu gefährlichen Entgleisungen des Flüssigkeitshaushalts kommen kann.

Antifibrinolytika

Die Einnahme eines Medikamentes, welches die Auflösung von Gerinnseln hemmt, die von den Blutplättchen (Thrombozyten) und dem Gerinnungsfaktor Fibrinogen zum Wundverschluss gebildet werden (siehe "Krankheitszeichen"), (beispielsweise Tranexamsäure), wird vom behandelnden Arzt insbesondere vor Eingriffen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und Zahnentfernungen verschrieben. Diese Therapie ist oft auch bei einer verstärkten oder verlängerten Regelblutung bei Konduktorinnen erfolgreich. Das Medikament kann in Tablettenform eingenommen oder über eine Vene verabreicht werden. Nebenwirkungen werden bei Kindern selten beobachtet. In Abhängigkeit von der Art des Eingriffs und der Lokalisation der Blutung wird ein Antifibrinolytikum oft in Kombination mit Vasopressin (siehe oben) eingesetzt.