Bedarfsfsbehandlung (On-demand-Behandlung)

Autor:  PD Dr. med. Gesche Tallen, Erstellt am 10.05.2017, Zuletzt geändert: 10.05.2017 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e188005

Behandlung mit Gerinnungsfaktoren

Bei der Bedarfsbehandlung wird ein Gerinnungsfaktor dann ersetzt, wenn ein aktueller Bedarf besteht. Das ist beispielsweise bei einer akut‎en Blutung oder vor einer Operation oder vor einer Zahnbehandlung der Fall. Bei einer akuten Blutung muss die Verabreichung des Faktorkonzentrates so schnell wie möglich erfolgen. Oft spürt der Betroffene die beginnende Blutung bereits sehr früh, auch wenn die Blutung für Außenstehende noch nicht sichtbar ist. Zu diesem Zeitpunkt können beginnende Blutungen durchaus mit einer einzigen Injektion gestoppt werden. Größere Blutungen bedürfen für ihre Rückbildung in der Regel einer mehrtägigen oder manchmal wochenlangen Therapie.

Behandlung mit Antifibrinolytika

Die Einnahme eines Medikamentes (Antifibrinolytikum), welches die Auflösung von Gerinnseln hemmt, die von den Blutplättchen und dem Gerinnungsfaktor Fibrinogen zum Wundverschluss gebildet werden, beispielsweise Tranexamsäure, wird vom behandelnden Arzt insbesondere vor Eingriffen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und Zahnentfernungen verschrieben. Diese Therapie ist oft auch bei einer verstärkten oder verlängerten Regelblutung erfolgreich. Das Medikament kann in Tablettenform eingenommen oder über eine Vene verabreicht werden. Nebenwirkungen werden bei Kindern selten beobachtet.

Behandlung mit Vasopressin (Desmopressin, DAVP)

Vasopressin ist ein Botenstoff (Hormon), der die Konzentration des Gerinnungsfaktors "Von-Willebrand-Faktor" im Blut steigern kann. Der Von-Willebrand-Faktor hilft dabei, die Anheftung der Blutplättchen an der Verletzungsstelle wesentlich zu verbessern und damit eine Blutung schneller zu stoppen. Desmopressin kann über eine Vene oder als Nasenspray gegeben werden. Eine einmalige Gabe vor einem Eingriff mit Blutungsrisiko ist meist ausreichend. Bei Operationen wird die Gabe über die Vene bevorzugt, bei kleinen Eingriffen wie einer Zahnentfernung ist durch den behandelnden Arzt zu entscheiden, ob die Verabreichung als Nasenspray ausreicht.

Eltern sollten wissen:

Kleine Kinder, die jünger als 3 Jahre sind, sowie Kinder mit Anfallsleiden (Epilepsie), Herzerkrankungen oder bestimmten Urinausscheidungsstörungen (zum Beispiel Diabetes insipidus) sollten nicht mit Vasopressin behandelt werden.

Vasopressin ist oft nach etwa der 4. Gabe unwirksam, da dann der Von-Willebrand-Faktor im Blut nicht mehr ausreichend ansteigt.

Patienten, die das Medikament im häuslichen Bereich bei Blutungen, wie einer verstärkten Regel- oder bei heftigem anhaltendem Nasenbluten als Nasenspray einsetzen, müssen sich streng an die vom Arzt festgelegten Dosierungen halten. Sie sollten also keinesfalls öfter sprayen, als es verordnet wurde oder die Pausen zwischen dem Sprayen verkürzen, denn Vasopressin beeinflusst den körpereigenen Wasserstoffwechsel so stark, dass es bei unkontrollierter Einnahme des Medikaments zu gefährlichen Entgleisungen des Flüssigkeitshaushalts kommen kann.

Behandlung mit Frischplasma

Der Begriff Frischplasma bezieht sich auf Blutplasma von gesunden Spendern. Blutplasma enthält Gerinnungsfaktoren. Daher können Patienten mit Faktorenmangelerkrankungen bei Bedarf (s. o.) erfolgreich mit Frischplasma behandelt werden. Die Gabe erfolgt über eine Vene (meist im Arm). In der Regel erfüllt Frischplasma, das in Deutschland eingesetzt wird, hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards, so dass Infektionsübertragungen insgesamt selten sind.

Transfusion von Blutplättchen (Thrombozytenkonzentrate)

Bei einer Transfusion von Blutplättchen (Thrombozyten) erhält der Patient über eine Vene eine bestimmte Menge an Thrombozyten von einem gesunden Spender. Auf diese Weise kann die Thrombozytenzahl bei einem Patienten mit einer lebensbedrohlichen Blutung schnell angehoben werden. Transfusionen von Blutbestandteilen gehen mit einem relativ kleinen Risiko der Übertragung von Infektionskrankheiten einher. Darum ist diese Behandlungsmethode als wirksame Sofortmaßnahme Notfällen vorbehalten.