Diagnose: Wie wird die Thrombozytose festgestellt?

Autor:  Prof. Dr. med. Markus Metzler, Erstellt am 07.07.2014, Zuletzt geändert: 07.07.2014 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e138434

Häufig ist eine Erhöhung der Blutplättchen (Thrombozytose) bei Kindern und Jugendlichen ein so genannter Zufallsbefund. Das bedeutet, dass die Veränderung bei einer Blutentnahme entdeckt wurde, die aus anderen Gründen, zum Beispiel bei Fieber oder zur Vorbereitung einer Operation durchgeführt wurde.

Das erste Ziel der Diagnostik bei einer Thrombozytose besteht darin zu klären, ob die Thrombozytenerhöhung als Reaktion auf eine andere Erkrankung aufgetreten ist (sekundäre Thrombozytose/reaktive Thrombozytose), oder für sich alleine besteht (primäre Thrombozytose). Am häufigsten kommt bei Kindern und Jugendlichen eine reaktive Thrombozytose im Rahmen einer akuten oder chronischen Entzündung vor (siehe Ursachen). Wenn diese Form dem Arzt aufgrund der Krankengeschichte und körperlichen Untersuchung ursächlich plausibel erscheint, müssen in der Regel keine weiteren Untersuchen erfolgen. Allenfalls wird nach Abklingen der auslösenden Ursache eine weitere Blutentnahme erfolgen, um sicherzustellen, dass die Plättchenzahlen inzwischen wieder normal sind.

Erste Untersuchungen bei Thrombozytose

  • Die Abklärung einer Thrombozytose bei Kindern und Jugendlichen beinhaltet zu Beginn:
  • ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt zur Krankengeschichte von Patient und Angehörigen (Anamnese)
  • eine körperliche Untersuchung des Patienten
  • Blutentnahmen zur Verlaufskontrolle der Thrombozytenzahlen sowie zur Bestimmung von Entzündungsparametern (diese sind bei sekundären Thrombozytosen in der Regel verändert, bei primären sind sie meist normal)
  • Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen zur Suche nach einem Entzündungsherd

Bleibt die Erhöhung der Thrombozyten über längere Zeit bestehen, ohne dass eine zugrunde liegende Ursache ersichtlich ist, könnte eine primäre Thrombozytose vorliegen und eine weiterführende Abklärung sollte umgehend erfolgen. Diese sollte in einem Zentrum stattfinden, das auf Bluterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist (Klinik für Pädiatrische Hämatologie).

Spezielle Untersuchungen bei Verdacht auf eine primäre Thrombozytose

Hat der Arzt bei einem Kind oder Jugendlichen aufgrund der Krankengeschichte, der körperlichen Untersuchung (siehe Krankheitszeichen) sowie der Ergebnisse aus den ersten Blutuntersuchungen (siehe oben) den Verdacht auf eine primäre Thrombozytose, wird er weitere Untersuchungen vorschlagen. Diese sollen dabei helfen, die einzelnen Unterformen einer primären Thrombozytose (siehe Ursachen) voneinander abzugrenzen, damit die richtige Behandlung begonnen werden kann.

Diese Untersuchungen können beinhalten:

  • Blutuntersuchungen zum Ausschluss einer Ursache für eine reaktive Thrombozytose (siehe oben)
  • Knochenmarkbiopsie zum Ausschluss einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks (chronische myeloische Leukämie und andere myelodysplastische Neoplasien: siehe Ursachen)
  • Blutuntersuchung zur Bestimmung des Thrombopoietin (TPO)-Spiegels
  • Blutuntersuchungen zum Nachweis bestimmter genetischer Veränderungen (siehe Ursachen)
  • Blutuntersuchungen zur Untersuchung von Gerinnungsfaktoren und Blutungszeit, Blutplättchen (Anzahl, Erscheinungsbild unter dem Mikroskop, Funktionen wie beispielsweise, ob sich die Thrombozyten aktivieren lassen, ihre Fähigkeit zur Gerinnselbildung und zum Sich-Anheften)
  • Ultraschalluntersuchungen bestimmter Blutgefäße (Dopplersonographie) zum Nachweis von Blutgerinnseln und dadurch bedingten Strömungsstörungen des Blutes

Gut zu wissen: Nicht alle Untersuchungen sind bei jedem Patienten notwendig. Ihr Behandlungsteam wird Sie darüber informieren, welche diagnostischen Verfahren bei Ihrem Kind jeweils erforderlich sind.