Erfassung der Eisenlast

Autor:  Prof. Dr. med. H. Cario, Dr. med. R. Grosse, Erstellt am 12.02.2020, Zuletzt geändert: 28.09.2020 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e201942

Die Maßnahmen zur Messung der Eisenüberladung beinhalten die Bestimmung von Eisen in Blut, Leber- und Herzmuskelzellen. Sie werden sowohl vor Beginn als auch während der Behandlung getroffen zur

  • Festlegung des anfänglichen Ausmaßes der Eisenüberladung eines Patienten als Grundlage für eine individuelle Behandlungsplanung
  • Überwachung der Eisenentzugstherapie

Bestimmung von Eisen im Blut

Eisen, welches zum Beispiel beim Abbau der roten Blutkörperchen nach einer Bluttransfusion im Blutkreislauf des Patienten frei wird, bindet dort an ein Transporteiweiß, das Transferrin. Wenn viele Transferrin-Moleküle mit Eisen beladen (gesättigt) sind, kann man davon ausgehen, dass sich im Organismus viel Eisen befindet. Deshalb bestimmen die ärzte regelmäßig die so genannte Transferrin-Eisen-Sättigung im Blut.

Außerdem wird stetig eine kleine Menge an Speichereisen (Ferritin) aus der Leber und anderen Speicherzellen ins Blut freigesetzt. Aus diesem Grund kann auch die Konzentration an Ferritin im Blut (im Serum) herangezogen werden, um die individuelle Eisenbelastung des Patienten einzuschätzen. Die Normalwerte für die Transferrin-Eisen-Sättigung und die Ferritinspiegel im Serum sind einerseits vom Alter eines Kindes, andererseits auch von anderen Faktoren wie zum Beispiel gleichzeitig bestehenden Entzündungen abhängig.

In der Regel sind diese Werte bei Patienten mit angeborenen Anämien aber auch bei Entzündungen höher als bei gleichaltrigen Gesunden. Durch die Bestimmung des Serumferritins im Verlauf (so genannter "Serumferritin-Trend") kann sowohl das Ansprechen auf die Eisenentzugsbehandlung (siehe "Therapie") als auch die individuelle Eisenbelastung nach regelmäßigen Bluttransfusionen erfasst, und sogar das individuelle Risiko für die Entwicklung bestimmter Spätfolgen wie der Herzmuskelschädigung (siehe "Symptome") abgeschätzt werden.

Bestimmung von Eisen in der Leber

Die Leber kann große Mengen an Eisen speichern. Sie enthält mehr als 70 % des gesamten Eisenspeichers des Körpers. Aus diesem Grund spiegelt das Lebereisen die Gesamteisen-Last des Organismus wieder. Wissenschaftliche Untersuchungen haben auch gezeigt, dass sich mit Hilfe des Lebereisens Aussagen über die Zukunftsaussichten des Patienten, insbesondere im Hinblick auf das Risiko für die Entwicklung von Leber- oder anderen Organschäden durch die sekundäre Eisenüberladung, machen lassen.

Es gibt verschiedene Verfahren zur Bestimmung der Lebereisenkonzentration, die im Folgenden erläutert werden.

Magnetresonanz-Tomographie (Kernspintomographie, MRT)

Eine detaillierte Beschreibung dieses Bild gebenden Verfahrens findet sich bei unseren Patienteninformationen zum Thema "Diagnose". Das MRT-Gerät erfasst den Einfluss des gespeicherten Eisens auf die Darstellung der Organe des Körpers. Dabei spielt die Wechselwirkung zwischen dem Eisen und dem Magnetfeld des MRT eine wichtige Rolle. Bei einer Eisenüberladung zeigt das betroffene Organ (zum Beispiel Leber oder Herz) auf einigen MRT-Bildern typische Merkmale, aus denen sich der Schweregrad der Eisenbelastung berechnen lässt. Die MRT ist schmerzlos und birgt keine Strahlenbelastung. Es empfiehlt sich, diese Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen in einem der großen Behandlungszentren durchführen zu lassen. Dort finden sich altersgerechte Untersuchungsbedingungen. Hinzu kommt, dass die Untersuchungsergebnisse von einem Team aus Spezialisten für Kinderblutkrankheiten und zusätzlich von Kinderradiologen ausgewertet werden.

Leberbiopsie

Zur direkten Bestimmung der Eisenkonzentration im Lebergewebe bedarf es einer Gewebeentnahme (Biopsie). Eine solche Leberbiopsie tut nicht weh, denn der Patient wird zuvor betäubt. Dann wird eine spezielle Nadel durch die Bauchdecke des Patienten in die Leber eingeführt und eine kleine Menge an Lebergewebe entnommen. Bei einer Leberbiopsie kann es manchmal zu Komplikationen wie Blutungen oder Entzündungen kommen. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, wird die Einführung der Nadel mittels Ultraschall für den Untersucher sichtbar gemacht und auf diese Weise überwacht. Wegen seiner Risiken müssen die Vor- und Nachteile dieses Eingriffs für jeden Patienten individuell abgewogen werden. Heutzutage wird im Allgemeinen eine Lebereisenmessung durch die MRT angestrebt und nur bei zusätzlichen Fragen (z. B. Leberentzündung, Leberzirrhose) zur feingeweblichen Untersuchung (Histologie) eine Leberbiopsie durchgeführt.

Bestimmung von Eisen in der Herzmuskulatur

Alle Patienten ab dem 10. Lebensjahr sollten die Möglichkeit einer regelmäßigen Herzeisenmessung haben. Diese erfolgt mittels Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens mit einem sehr speziellen Untersuchungsprogramm, das extra dafür entwickelt wurde. Wie oft diese Messungen wiederholt werden sollten, richtet sich in erster Linie nach dem Ausmaß der Herzeisenüberladung. In der Regel erfolgt die Messung in jährlichen bis zweijährlichen Abständen.