Diagnose: Wie wird eineThrombose festgestellt?

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, Dr. med. Susan Halimeh, Dr. med. Christine Heller, Erstellt am 12.06.2019, Zuletzt geändert: 26.06.2019 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e209484

Vermutet der Arzt aufgrund der Krankheitsgeschichte (Anamnese‎) und nach körperlicher Untersuchung des Patienten eine Thrombose, sind umgehend verschiedene weiterführende Untersuchungen angezeigt. Ziel dieser einzelnen diagnostischen Verfahren ist es, herauszufinden

  • wo im Körper der Gefäßverschluss stattgefunden hat: unter Zuhilfenahme bildgebender Verfahren
  • warum es zum Gefäßverschluss gekommen ist: durch gezielte Thrombophilie-Labordiagnostik (siehe auch „Ursachen“).

Bildgebende Verfahren bei Verdacht auf Thrombose

Wichtige bildgebende Verfahren bei der Thrombosediagnostik sind:

Wichtig zu wissen: Die bildgebenden Untersuchungen dienen bei der Thrombosediagnostik nicht nur dazu, die Thrombose aufzusuchen, sondern auch dazu, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um eine Thrombose und nicht um etwas anderes handelt. In diesem Fall wird das betroffene Blutgefäß von außen, zum Beispiel durch eine Raumforderung nahe der Ader, eingedrückt oder es hat sich aufgrund eines Gefäßmuskelkrampfes (Spasmus) verengt und so Durchblutungsstörungen verursacht.

Anmerkung: Sowohl bei einer angeborenen als auch bei einer erworbenen Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose) sprechen die Spezialisten auch von „Thrombophilie“ (altgriechisch: „Thrombos“ bedeutet „Klumpen“ und „philie“ steht für „Liebe“).

Deshalb fasst man die Untersuchungen, die bei Patienten mit einer Thromboseneigung angezeigt sind, auch als „Thrombophilie-Diagnostik“ zusammen.

Gezielte Thrombophilie-Diagnostik

Bei der gezielten Thrombophilie-Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen stehen das „Wer?“ (Wer sollte untersucht werden?) und das „Wie“ (Welche Untersuchungen werden durchgeführt?) im Vordergrund mit dem Ziel,

  • die zugrunde liegende, angeborene oder erworbene, Ursache/Grundkrankheit erfolgreich zu behandeln
  • einer erneuten Thrombose vorzubeugen
  • Spätfolgen so gering wie möglich zu halten.

Wer sollte untersucht werden?

Zunächst sind gezielte Untersuchungen (siehe: Welche Laboruntersuchungen kommem zum Einsatz?) beim Patienten angezeigt.

Ein erhöhtes Thromboserisiko ist jedoch nicht immer Folge bestimmter Erkrankungen, medizinischer Eingriffe oder Medikamente, das heißt: erworben, sondern kann auch durch einen angeborenen Mangel an Schutzfaktoren gegen eine überschießende Gerinnung und durch Veränderungen an gerinnungsverstärkenden Faktoren entstehen. Diese Störungen werden auf unterschiedliche Weise von den Eltern an ihre Kinder vererbt. Allerdings sollten die Eltern nur dann untersucht werden, wenn bei ihnen eine schwere Thrombophilie nachgewiesen wurde.

Welche Laboruntersuchungen kommen zum Einsatz?

Wichtige Untersuchungen bei der gezielten Thrombophilie-Diagnostik sind

  • Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Menge, Aktivität und Funktionstüchtigkeit der roten und weißen Blutzellen, sowie insbesondere der Blutplättchen
  • Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Menge, Aktivität und Funktionstüchtigkeit verschiedener Gerinnungsfaktoren
  • molekulargenetisch‎‎e Untersuchungen vom Blut Betroffener zum Nachweis möglicher erblicher Ursachen der gesteigerten Neigung zu Blutgerinnseln (siehe „Ursachen“).

Wichtig zu wissen: Manche Blutuntersuchungen im Rahmen der Thrombophilie-Diagnostik finden erst Monate nach dem Thromboseereignis, das heißt nach Abschluss der Akutbehandlung (siehe „Behandlung“) statt, weil manche der Medikamente, die bei der akuten Behandlung von Thrombosen zum Einsatz kommen, die Ergebnisse verfälschen können.