Indikationsstellung

Autor:  PD Dr. med. G. Tallen, Erstellt am 12.12.2016, Freigabe:  Dr. med. J-S. Kühl, PD Dr. med. S. Voigt, Zuletzt geändert: 18.05.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e185538

Bevor eine hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT) durchgeführt wird, muss erstens geklärt sein, ob sie überhaupt angezeigt (indiziert) ist und zweitens, welche Form der Stammzelltransplantation bei dem betroffenen Patienten in Frage kommt (HLA-identisch/-passend von einem verwandten oder unverwandten Spender oder auch nicht HLA-identisch).

Für den Erfolg der Stammzelltransplantation spielt der Allgemeinzustand des Patienten vor der Stammzelltransplatation (SZT) eine wichtige Rolle. Kinder und Jugendliche, die bereits mit vorgeschädigten Organen, zum Beispiel durch eine hohe Eisenlast bei Thalassämien, in die Transplantation gehen, haben ein größeres Risiko, Komplikationen nach der Transplantation zu entwickeln.

Deswegen ist es bei einigen Patienten sinnvoll, eine SZT möglichst früh zu planen, bzw. bei älteren Patienten zum Beispiel eine schonendere Konditionierungstherapie auszuwählen.

Fortschritte, die sowohl die herkömmlichen Behandlungsmöglichkeiten als auch die Transplantationsmedizin betreffen, werden diese schwierigen Fragestellungen stetig beeinflussen. Da eine Stammzelltransplantation sehr aufwändig ist und außerdem mit Komplikationen verbunden sein kann, wird in der Regel gefordert, dass das zu erwartende Ergebnis der Transplantation in irgendeiner Form besser ist als das der wirksamsten herkömmlichen Therapie. Es ist möglich, dass in der Zukunft bei einigen Erkrankungen Gentherapien einsetzbar sind. Umgekehrt werden heute einige Stoffwechselerkrankungen, bei denen noch vor einiger Zeit eine SZT angezeigt war, heute eher durch eine sogenannte Enzymersatztherapie bzw. eine Kombination aus SZT und Enzymersatztherapie behandelt.

Ob letztlich tatsächlich eine Stammzelltransplantation durchgeführt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Verfügbarkeit eines passenden Spenders und dem Allgemeinzustand des Patienten. Die behandelnden Ärzte berücksichtigen diese und weitere Bedingungen bei Ihrer Entscheidung. Selbstverständlich müssen auch der Patient und/oder seine Angehörigen mit der Behandlung einverstanden sein.

Gut zu wissen: Die Transplantationseinrichtung überprüft grundsätzlich vor der Durchführung einer Stammzelltransplantation noch ein weiteres Mal, ob für diese Behandlung tatsächlich eine Indikation besteht. Sie koordiniert außerdem die vorausgehenden Untersuchungen sowie die vorbereitende Behandlung (Konditionierung), die Stammzellentnahme und die Transplantationsnachsorge.