Behandlung: Wie werden Patienten mit einem Hämophagozytose-Syndrom behandelt?

Autor:  Julia Dobke, Erstellt am 25.09.2019, Zuletzt geändert: 30.10.2019 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e211898

Die Behandlung des Hämophagozytose-Syndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Kinder mit der angeborenen Form müssen in der Regel intensiver behandelt werden als Kinder mit der erworbenen Form.

Therapie der angeborenen Hämophagozytose-Syndrome

Die Behandlung des angeborenen Hämophagozytose-Syndroms besteht aus zwei Phasen. Das Ziel der ersten Behandlungsphase ist die Bekämpfung des akuten Krankheitsschubs, indem man mit bestimmten Medikamenten, (Immunsuppressiva oder Chemotherapeutika -Zytostatika), die überschießende Immunreaktion hemmt. Zudem soll die auslösende Ursache, meist eine Infektion, beseitigt und einen Rückfall verhindert werden.

Bei der primären HLH schließt sich eine zweite Behandlungsphase an: Sie zielt auf die langfristige Heilung der genetischen Veranlagung zur HLH. Die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation ist aktuell die einzige Behandlungsmethode, die eine langfristige Heilung erzielen kann.

Immunsupressive Behandlung

Zur Unterdrückung der überschießenden Aktivität der Makrophagen und T-Zellen werden Medikamente gegeben, die das Abwehrsystem dämpfen. Hierzu gehören in der Regel Kortison, Cyclosporin (CSA) und das Zytostatikum Etoposid (VP16). In Studien werden darüber hinaus derzeit Medikamente getestet, die selektiver sind als Etoposid (Campath) oder die Wirkung der massiv erhöhten Zytokine abschwächen (anti-Interferon-gamma oder Ruxolitinib). Bei der primären HLH muss diese intensive Therapie über Wochen gegeben werden, bei der sekundären HLH kann auch eine kürzere Behandlungsdauer ausreichen.

Behandlung der Infektion

Da Infektionen bei allen Formen der HLH zu den wichtigsten Auslösern gehören, wird fast immer eine intensive antimikrobielle Behandlung, incl. Antibiotika durchgeführt. Auch Medikamente, die gegen Viren (Virostatika) oder Pilze (Antimykotika) gerichtet sind, kommen zum Einsatz.

Behandlung neurologischer Symptome

Falls das Kind auch schwere Anzeichen einer Beteiligung des Zentralnervensystems zeigt, so wird eine Behandlung über die Gabe von Medikamenten in das Nervenwasser mit Hilfe einer Lumbalpunktion erwogen. Es können Kortison und Methotrexat – ein Zytostatikum - verabreicht werden.

Ersatz von Blutbestandteilen (Bluttransfusionen)

Im Falle einer schwerwiegenden Blutarmut (Anämie und eines Mangels an Blutplättchen (Thrombozytopenie) müssen diese Blutbestandteile durch Transfusionen ersetzt werden. Wird beim Kind ein verminderter Hämoglobinwert festgestellt und treten Krankheitszeichen einer Anämie auf, so kann ein Ersatz fehlender roter Blutzellen (Erythrozyten) erforderlich sein. Blutplättchen (Thrombozyten‎) sind für die Blutstillung verantwortlich. Ein starker Abfall der Thrombozytenzahl bedeutet eine Blutungsgefährdung.

Wenn die Blutgerinnung gestört ist, kann der Ersatz von Gerinnungsfaktoren durch Plasmagaben notwendig sein.

Unterstützende (supportive) Therapie während der Behandlung eines Hämophagozytose-Syndroms

Um eine häufige Venenpunktion und Reizung der Venen zu vermeiden, ist die Anlage eines zentralen Venenkatheters (zentraler Venenkatheter - ZVK) sinnvoll. Dieser kann dann bei komplikationslosem Verlauf für die gesamte Dauer der Therapie liegen bleiben.

Allogene hämatopoetische Stammzelltransplatation

Bei der primären HLH ist zur dauerhaften Heilung und der Verhinderung von Rückfällen eine allogene Blutstammzelltransplantation (allogene HSZT) erforderlich.

Bei dieser Therapieerhält der Patient Blutstammzellen‎ von einem anderen Menschen ("allo-" bedeutet "anders" oder "fremd"). Es kann sich dabei um einen Verwandten oder um einen Fremden handeln (je nach Art des Spenders wird von Familienspender- beziehungsweise Fremdspender-Transplantation gesprochen).

Das Prinzip ist folgendes: die eigenen, genetisch defekten blutbildenden Zellen einschließlich der Immunzellen werden zerstört, gesunde blutbildende Stammzellen werden verabreicht und aus diesen kann sich ein neues, gesundes Immunsystem entwickeln. Aber was sich konzeptionell einfach anhört, ist in der Praxis hochkomplexe Medizin mit vielen Risiken und Faktoren, die berücksichtigt werden müssen.

Zunächst einmal muss ein geeigneter Spender gefunden werden. Optimal geeignet ist ein Geschwisterspender. Bei jedem Geschwister besteht nur eine 25 %-ige Chance, dass die Bluteigenschaften passen.

In Abwesenheit eines passenden Geschwisters gibt es große Spenderbanken, mit deren Hilfe es meist gelingt, auch einen unverwandten passenden Spender zu finden. Eine allogene HSZT mit Stammzellen von einem nicht verwandten Spender (Fremdspender) ist aufgrund der geringeren Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger mit vergleichsweise höheren Risiken verbunden. Ausführliche Informationen zur allogenen HSZT hier.

Therapie des erworbenen Hämophagozytose-Syndroms

Da bei dieser Form der HLH keine genetische Erkrankung behandelt werden muss, besteht die Therapie in erster Linie in der Kontrolle der überschießenden Entzündungsreaktion und der Beseitigung des Auslösers: Das kann die Behandlung der Infektion (siehe: Kapitel Krankheitsursachen), die Intensivierung der Therapie der entzündlichen Grundkrankheit, oder das Absetzen von Medikamenten, welche das Hämophagozytose-Syndrom möglicherweise ausgelöst haben, sein. Meist ist aber eine zusätzliche immunsuppressive Therapie (siehe oben) notwendig, klassischerweise wird auch hier eine Kombinationstherapie aus Kortison und Cyclosporin A eingesetzt, öfter ist auch das Chemotherapeutikum Etoposid nötig. Die immunsuppressive Behandlung ist dann aber meist nur vorübergehend nötig und das Risiko eines Rückfalls ist gering.