Funktion: Welche Funktion haben die verschiedenen Bestandteile des Immunsystems?

Autor: Prof. Dr. med. Volker Wahn, Julia Dobke, Prof. Dr. med. Tim Niehues, Redaktion: Ingrid Grüneberg, Zuletzt geändert: 29.05.2020

Das Immunsystem besteht aus verschiedenen Komponenten, die gemeinsam für eine funktionierende Krankheitsabwehr sorgen. Da ein Primärer Immundefekt bereits durch das Fehlen einzelner Komponenten der Abwehr verursacht sein kann, werden im Folgenden die Aufgaben der einzelnen Bestandsteile des Immunsystems erläutert.

Die Aufgaben der weißen Blutkörperchen (Leukozyten)

Zu den Leukozyten gehören die Lymphozyten (B-Lymphozyten, T-Lymphozyten), Granulozyten (neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten), Monozyten (Monozyten, Makrophagen, Mastzellen) und die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Granulozyten, Monozyten und NK-Zellen werden auch als Fresszellen bezeichnet, da sie Krankheitserreger oder Tumorzellen direkt in sich aufnehmen (phagozytieren) und zerstören können.

Die Aufgaben der B-Lymphozyten

Die Hauptaufgabe der B-Zellen besteht darin, nach der Ausreifung zu so genannten Plasmazellen eine große Menge an Antikörpern zu produzieren. Antikörper sind y-förmige Eiweiße, die sich gezielt an Erreger oder fremde Zellen haften können und durch die Anhaftung deren Zerstörung vermitteln. Zu einem geringen Teil können auch B-Lymphozyten das Immunsystem zu steuern.

Die wichtigsten Antikörper (auch Immunglobuline genannt) sind:

  • Das Immungglobulin A (IgA), das auf allen Schleimhäuten vorkommt und dort Krankheitserreger bekämpft.
  • Das Immunglobulin G (IgG), das häufigste Immunglobulin. Es ist besonders wichtig zur Bekämpfung mehrfach auftretender Infektionen. Nach Erstkontakt mit einem neuen Krankheitserreger benötigt es ca. 3 Wochen, bis es funktionsfähig ist. Tritt dieselbe Infektion jedoch noch einmal auf, so werden IgG Antikörper sehr schnell und in sehr großer Menge produziert, um den erneuten Ausbruch einer Erkrankung zu verhindern.
  • Das Immunglobulin M (IgM), das sofort produziert wird, wenn Krankheitserreger in den Körper gelangen. Es übernimmt die erste Bekämpfung von Krankheitserreregern und wird im Verlauf einer Infektion vom IgG, dem spezialisierten Antikörper, abgelöst.
  • Das Immunglobulin E (IGE), das speziell zur Abwehr von Wurminfektionen und bei allergischen Reaktionen eine Rolle spielt. Es kommt nur in sehr geringen Mengen im Blut vor.

Die Aufgaben der T-Lymphozyten

T-Lymphozyten durchlaufen eine Reifungsphase in einem bestimmten, relativ kleinen Organ im Brustbereich, der Thymusdrüse. In dieser Phase lernen die T-Lymphozyten, körperfremde oder veränderte Substanzen zu erkennen wie zum Beispiel Krankheitserreger oder veränderte (mutierte) körpereigene Zellen.

T-Zellen können lebenslang ihre Rezeptoren noch so verändern, dass sie sich Krankheitserreger merken können, man spricht dann von Gedächtnis-T-Zellen.

T-Zellen sind in der Lage, das gesamte Immunsystem zu steuern. Sie interagieren direkt mit anderen Zellen oder verschicken zahlreiche verschiedene Botenstoffe in das Immunsystem (so genannte Zytokine). Auf diese Weise können sie andere Bestandteile der Immunabwehr, wie zum Beispiel die B-Zellen, aktivieren.

Die Bedeutung von T-Zellen im Körper wird daran deutlich, dass bei deren Fehlen schwere Erkrankungen auftreten. Ein schwerer Mangel an T-Zellen ist tödlich, weil früher oder später schwerste Infektionen auftreten mit Erregern, die für den Gesunden eher harmlos sind.

T-Zellen sind auch Verursacher von Autoimmunkrankheiten das heißt, T-Zellen wenden sich gegen Antigene auf körpereigenen Zellen – so genante autoreaktive T-Zellen. Normalerweise sollten T-Zellen, die fälschlicherweise in der Thymusdrüse auf körpereigene Antigene geprägt wurden, noch im Thymus oder spätestens nach Verlassens der Thymusdrüse vernichtet werden, da sie falsch „programmiert“ wurden. Klappt das nicht , kann es zu autoimmun-Reaktionen kommen.

Die Aufgaben der Monozyten (Fresszellen)

Monozyten gehören zur unspezifischen Immunabwehr. Sie sind bereits beim Neugeborenen vorhanden. Sie werden im Knochenmark gebildet.

Monozyten haben die Aufgabe, körperfremdes Material in sich aufzunehmen (zu phagozytieren) und unschädlich zu machen. Hierfür müssen sie aber weiter heranreifen und sich zu Makrophagen ausbilden. Das geschieht nicht im Blutkreislauf, sondern in der Leber und im Bindegewebe. Makrophagen sind dann die eigentlichen Fresszellen.

Die Aufgaben der Granulozyten

Auch Granulozyten sind Teil der unspezifischen Immunabwehr. Granulozyten halten sich entweder an den Gefäßinnenwänden oder im zirkulierenden Blut auf. Dort bleiben sie etwa sieben Stunden und werden dann abgebaut. Sie können sich von selbst fortbewegen und sind in der Lage, aus den Blutgefäßen heraus in das Gewebe und in die Schleimhäute zu wandern. Nach vier bis fünf Tagen werden auch die gewebegängigen Granulozyten abgebaut.

Neutrophile Granulozyten sind auf die Abwehr von Bakterien, Viren und Pilzen im Blut spezialisiert; eosinophile Granulozyten helfen bei der Abwehr von Parasitenund sind an allergischen Reaktionen beteiligt; auch basophile Granulozyten können Parasiten unschädlich machen und sind am Auftreten allergischer Reaktionen beteiligt.

Die Aufgaben der natürlichen Killerzellen

Natürliche Killerzellen sind ein Bestandteil des angeborenen Immunsystems und sind eine Untergruppe der Lymphozyten. Sie sind eine der ersten Verteidigungslinien im Kampf gegen Infektionen und Krebs. Sie bilden zum Beispiel wichtige Botenstoffe und können entartete und infizierte Zellen wie Krankheitserreger oder Tumorzellen abtöten.

Die Funktion des Komplementsystems

Das Komplementsystem gehört zur angeborenen, unspezifischen Immunabwehr. Zu diesem System gehört eine Vielzahl von Eiweißen, die Krankheitserreger und andere Substanzen als fremd erkennen können und diese „markieren“. Nun können die Immunzellen der unspezifischen Abwehr (Granulozyten und Fresszellen) die Eindringlinge erkennen und vernichten. Ebenso sind die Eiweiße des Komplementsystems in der Lage, die im Blutkreislauf zirkulierenden Antigen -Antikörper-Komplexe zu vernichten (Lyse). Das Komplementsystem kann Entzündungen im Gewebe auslösen, um Fremdkörper schneller aus dem Blutkreislauf zu entfernen.