Knochenmarkuntersuchungen

Autor:  Dr. med. Gesche Tallen, Erstellt am 17.10.2011, Redaktion:  Julia Dobke, Freigabe:  Prof. Dr. med. U. Creutzig, Zuletzt geändert: 17.10.2011 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e95225

Für die Diagnose einer Blutkrankheit wird in einigen Fällen auch das Organ untersucht, in dem das Blut gebildet wird: Das Knochenmark. Bei einer Knochenmarkuntersuchung werden insbesondere Eigenschaften wie das Aussehen (Morphologie) und die immunologischen Eigenschaften von Blutzellen und deren Vorstufen unter dem Mikroskop untersucht. Zusätzlich kann das Erbmaterial mit Hilfe molekulargenetischer Techniken untersucht werden.

Knochenmark kann durch eine Knochenmarkpunktion oder durch eine Knochenmarkstanzbiopsie gewonnen werden. Diese beiden Methoden werden im Folgenden kurz beschrieben:

Knochenmarkpunktion

Bei der Knochenmarkpunktion, auch Knochenmarkaspiration genannt, entnimmt der Arzt dem Patienten eine kleine Menge Knochenmark aus dem hinteren Beckenkammknochen. Dort ist das Knochenmark nur durch eine relativ dünne Knochenschicht von der Haut getrennt, so dass die Entnahme ohne wesentliches Risiko erfolgen kann. Mit Hilfe einer dünnen Hohlnadel saugt der Arzt wenige Milliliter Knochenmark in eine Spritze.

Die Punktion‎ erfolgt bei größeren Kindern unter örtlicher Betäubung; eventuell wird zusätzlich ein Beruhigungsmittel verabreicht (Sedierung‎). Bei kleineren Kindern kann unter Umständen eine kurze Narkose‎ zweckmäßig sein. Damit sollen die Schmerzen, die beim Ansaugen der Knochenmarkzellen entstehen, so gering wie möglich gehalten werden. Die Untersuchung kann ambulant‎ erfolgen und dauert meist nicht länger als 15 Minuten. Anschließend wird die Einstichstelle mit einem Pflaster verklebt und in der Regel für circa eine halbe Stunde mit einem kleinen Sandsack beschwert. So wird verhindert, dass es zu einer Nachblutung kommt. Danach kann das Kind wieder aufstehen und herumlaufen.

Knochenmarkstanzbiopsie

Bei manchen Kindern und Jugendlichen werden zur Klärung der Diagnose einer Blutkrankheit noch mehr Knochenmarkzellen zu Untersuchungszwecken gebraucht, als sich bei einer Knochenmarkpunktion‎ gewinnen lassen. Bei diesen Patienten erfolgt in der Regel eine Knochenmarkstanzbiopsie. Bei diesem Eingriff stanzt der Arzt mit einer speziellen, etwas dickeren Hohlnadel einen etwa 2 cm langen Gewebezylinder aus dem Beckenknochen. Diese Untersuchung erfolgt meist, und nach Absprache mit den Eltern, in Narkose, damit dem Kind oder Jugendlichen Schmerzen erspart bleiben.