Familienspender

Erstellt am 12.12.2016, Zuletzt geändert: 12.12.2016 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e185610

Da die HLA-Merkmale je zur Hälfte von beiden Eltern vererbt werden, besteht bei jedem Geschwister eine 25-prozentige Chance, dass es mit dem Patienten in den HLA-Merkmalen übereinstimmt, das heißt HLA-identisch ist.

Die Wahrscheinlichkeit, im weiteren Familienkreis passende Spender zu finden, ist hingegen meist sehr gering. In der Regel finden sich dort dann nur Spender, die lediglich teilweise übereinstimmen, die also nicht HLA-identisch (HLA-different) sind. Aus diesem Grund ziehen es die meisten Transplantationszentren inzwischen vor, bei Fehlen eines passenden Geschwister-Spenders nach einem passenden unverwandten Spender zu suchen (siehe unten). Stammzelltransplantationen mit HLA-differenten verwandten Spendern werden nur unter bestimmten Umständen in Betracht gezogen und auch nicht in allen Kliniken durchgeführt.

Ein Sonderfall ist die sogenannte haploidentische Stammzelltransplantation, bei der in der Regel ein Elternteil als Spender fungiert. Haplo bedeutet „halb“, das heißt, dass bei dieser Form der Transplantation genau 50 % der HLA-Merkmale übereinstimmen. Die haploidente Stammzelltransplantation muss für Patienten mit gutartigen Bluterkrankungen meist noch als experimentelle Therapie angesehen werden. Sie kann dann in Frage kommen, wenn weder ein HLA-identischer Geschwisterspender noch ein passender Fremdspender vorhanden ist, jedoch eine Transplantation zur Behandlung der Erkrankung unbedingt erforderlich ist. Nicht in allen Kliniken werden haploidentische Stammzelltransplantationen durchgeführt.

Gut zu wissen: Ein passender Spender aus der Familie wird auch als „Matched-Related Donor“ (kurz: MRD) bezeichnet. Handelt es sich dabei um ein Geschwister, spricht man auch von „Matched-Sibling Donor“ (kurz: MSD). Ein nur teilweise passender Familienspender wird „Mismatched-Related Donor“ (MMRD) genannt. Dies wäre zum Beispiel ein haploidentischer Elternteil als Spender. Ein passender Spender, der nicht aus der Familie kommt (ein freiwilliger, unverwandter Spender), wird als Matched-Unrelated Donor (MUD) bezeichnet (siehe unten).