Wie werden Stammzellen gewonnen?

Autor:  PD Dr. med. G. Tallen, Erstellt am 12.12.2016, Redaktion:  Julia Dobke, Freigabe:  Dr. med. J-S. Kühl, Zuletzt geändert: 18.05.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e185564

Für die allogene Stammzelltransplantation‎ gibt es verschiedene Möglichkeiten, Stammzellen zu gewinnen. Es gibt also unterschiedliche Stammzellquellen.

Die Blutstammzellen können entweder aus dem Knochenmark, dem Ort ihrer Entstehung, oder aus der Blutbahn nach entsprechender Vorbehandlung gewonnen werden. Im ersten Fall nennt man das Verfahren ihrer Übertragung Knochenmarktransplantation, im zweiten Fall periphere Stammzelltransplantation. Eine besondere Art der Stammzellgewinnung aus peripherem Blut ist die Nutzung von Plazentarest- oder Nabelschnurblut.

Bei Kindern und Jugendlichen, die für ein Geschwisterkind mit einer nicht bösartigen Erkrankung spenden, wird aus zwei Gründen praktisch nur Knochenmark als Stammzellquelle genutzt:

  • Bei minderjährigen Spendern sind die Venenverhältnisse meist nicht ausreichend für eine Stammzellapherese.
  • Nach Knochenmarktransplanation ist eine ausgeprägte chronische Spender-gegen-Empfänger-Reaktion beim Empfänger seltener als nach SZT mit peripheren Stammzellen. Im Gegensatz zu einer Leukämie, bei der eine chronische Spender-gegen-Empfänger-Reaktion zur Heilung beitragen kann, ist eine solche Reaktion bei nicht-malignen Erkrankungen nur von Nachteil.

Die aus Knochenmark oder Blutbahn isolierten allogenen Stammzellen werden meist direkt nach Entnahme übertragen (sie sind nach Entnahme 72 Stunden haltbar). Stammzellen eines unverwandten Spenders werden meist in der Nähe seines Wohnortes entnommen und müssen per Kurier in das Transplantationszentrum gebracht werden.
Bei einer autologen Transplantation werden Stammzellen frühzeitig entnommen, bis zum Zeitpunkt der Transplantation in speziellen Anlagen bei unter minus 135°C tiefgefroren (“Kryokonservierung“) und erst unmittelbar vor der Transplantation wieder aufgetaut. Eine solche Kryokonservierung passiert bei der allogenen SZT nur ganz selten.