Akute Spender-gegen-Empfänger-Reaktion (aGvHD)

Autor:  Dr. med. habil. Gesche Tallen, Maria Yiallouros, Erstellt am 21.11.2017, Freigabe:  PD Dr. med. S. Voigt, Zuletzt geändert: 18.05.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e185746

Von einer akuten Spender-gegen-Empfänger-Reaktion (acute Graft-versus-Host-Disease, aGvHD) spricht man in der Regel dann, wenn sich die Reaktion der Spenderzellen gegen den Organismus des Empfängers innerhalb der ersten 100 Tage nach SZT bemerkbar macht.

Symptome

Die akute GvHD befällt vor allem Haut, Darm und Leber. Am häufigsten kommt es zu einem Masern-ähnlichen Hautausschlag, der sich - je nach Schweregrad - als leichte Rötung, aber auch in Form schwerer entzündlicher Hautveränderungen äußern kann. Ein Befall des Darmes zeigt sich durch Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle, die von Bauchschmerzen begleitet sein können.

Bei einem Teil der Patienten kommt es außerdem zu einer Beeinträchtigung der Leberfunktion, die sich durch einen Anstieg der LeberwerteLeberwerte und zum Teil auch durch Gelbsucht bemerkbar macht. In seltenen Fällen kann (trotz Behandlung) die Leberfunktionsstörung lebensbedrohliche Ausmaße annehmen und/oder es kann zu schweren Blutungen aus dem Darm kommen.

Während die Veränderungen der Haut relativ typisch für eine GvHD sind, können die beschriebenen Darm- und Lebersymptome auch Zeichen für eine Infektion oder einen toxischen Schaden sein. Es ist klinisch nicht immer einfach zu entscheiden, ob Leber oder Darm wirklich von einer GVHD betroffen sind. Daher sind manchmal Zusatzuntersuchungen erforderlich.

Häufigkeit und Schweregrad

Etwa 20-40 % der Kinder sind nach der Stammzelltransplantation von einer akuten GvHD betroffen. Im Allgemeinen ist das Auftreten dieser Reaktion vom Alter und vom Transplantat abhängig, aber auch individuelle Faktoren des Patienten spielen eine Rolle.

Je nachdem, welche Organe betroffen sind und wie schwer sich die Erkrankung äußert, werden vier verschiedene Grade der aGvHD unterschieden (I-IV). Die leichteren Formen, Grad I-II, sind bei bösartigen Erkrankungen wie beispielsweise Leukämien durchaus erwünscht, da sie sich auch gegen den Tumor/die Leukämie richten (Transplantat-gegen-Leukämie-Reaktion). Die schweren Formen (III-IV) der aGvHD sind bei einem gut passenden Spender im Kindes- und Jugendalter eher selten.