Nicht-Anwachsen der Stammzellen oder Transplantatabstoßung

Autor:  Maria Yiallouros, Erstellt am 14.07.2017, Freigabe:  PD Dr. med. S. Voigt, Zuletzt geändert: 18.05.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e185787

In seltenen Fällen (etwa 3-5 %) können trotz der intensiven vorbereitenden Konditionierungsbehandlung ausreichend Immunzellen (T-Lymphozyten) im Körper des Patienten (Transplantat-Empfängers) überleben. Diese Immunzellen können die transplantierten Stammzellen des Spenders als fremd erkennen und bekämpfen.

Es kommt dann entweder gar nicht zum Anwachsen der neuen Stammzellen und somit auch nicht zu einer Erholung der Blutbildung (sogenanntes Non-Engraftment) oder aber, nach einer Regenerationsphase, zu einer echten Abstoßungsreaktion.

Risikofaktoren

Das Risiko für ein Nicht-Anwachsen oder eine Abstoßung der Spender-Stammzellen ist umso größer, je weniger die Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) von Spender und Empfänger übereinstimmen. (Das heißt zum Beispiel, dass eine haploidentische Stammzelltransplantation mit einem höheren Abstoßungsrisiko verbunden ist als eine HLA-identische oder HLA-kompatible Transplantation durch einen passenden Geschwister- oder Fremdspender.) Außerdem ist das Abstoßungsrisiko bei nicht malignen Erkrankungen generell höher, da das Immunsystem des Patienten nicht wie bei einer Leukämie durch zuvor erfolgte Chemotherapien bereits geschwächt ist.

Auch bei Stammzellen aus Nabelschnurblut oder einem Transplantat, aus dem zuvor die T-Lymphozyten des Spenders entfernt wurden (T-Zell-Depletion), besteht ein erhöhtes Risiko der Abstoßung. Darüber hinaus kann der Empfänger durch vorangegangene Blutstammzell-Transfusionen empfindlich auf eine weitere Transfusion reagieren (so nannte HLA-Sensibilisierung).

Symptome

Ein Nicht-Anwachsen oder eine Abstoßung des Transplantats kann der Arzt am Blutbild erkennen, zum Beispiel an einem fortdauernden beziehungsweise neu auftretenden Mangel an Blutzellen oder auch an bestimmten Entzündungsparametern im Blut (C-reaktives Protein [CRP]; Lymphozytose). Häufig sind Abstoßungsreaktionen mit Fieber verbunden. Auch Zeichen eines allergischen Schocks (wie Blässe, Schweißausbrüche, Muskelzittern, kalte Haut, Kreislaufbeschwerden bis hin zu Kreislaufversagen) sind möglich.

Meist treten Abstoßungsreaktionen innerhalb der ersten fünfzig Tage nach der Transplantation auf, selten später. Da eine Abstoßungsreaktion schwerwiegend und unter Umständen lebensbedrohlich sein kann, wird das Behandlungsteam frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um einer solchen Komplikation entgegenzuwirken.

Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung

Folgende Möglichkeiten der Vorbeugung beziehungsweise Behandlung stehen zur Verfügung:

  • Liegt von vornherein ein erhöhtes Abstoßungsrisiko vor (zum Beispiel bei einem nicht vollständig passenden Spender), werden bereits im Rahmen der Konditionierungsbehandlung Antikörper verabreicht, die sich gegen die T-Lymphozyten des Empfängers richten (Anti-Thymozyten-Globulin, ATG). Anschließend erfolgen regelmäßige Blutkontrollen (sogenannte Chimärismus-Analyse), um eine Neubildung von T-Lymphozyten beim Empfänger rechtzeitig zu erkennen.
  • Wenn nach der Transplantation eine Abstoßungsreaktion droht, kann man die immunschwächenden Medikamente entweder frühzeitig absetzen oder Immunzellen vom Spender nachgeben.
  • Unter Umständen muss die Transplantation nach einer erneuten Konditionierungsbehandlung wiederholt werden. Je nach Situation und Zentrumserfahrung werden ggf. auch Stammzellen eines anderen Spenders gegeben.