Regenerationsphase - Engraftment (ca. Tag +10 bis Tag +28)

Autor:  Maria Yiallouros, Erstellt am 14.07.2017, Freigabe:  PD Dr. med. S. Voigt, Zuletzt geändert: 18.05.2022 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e185683

Zehn bis zwanzig Tage nach der Transplantation sind die übertragenen Stammzellen im Knochenmark des Patienten angewachsen und beginnen, neue Blutzellen zu bilden. Diese Phase der Regeneration (englisch: engraftment) zeigt sich im Blutbild oft zuerst durch einen Anstieg der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), dann der Blutplättchen und der Hämoglobinwerte (Hb).

Die Zahl der Granulozyten (einer Untergruppe der Leukozyten), ist zu diesem Zeitpunkt besonders entscheidend: Denn sobald wieder ausreichend Granulozyten vorhanden sind (das heißt, mehr als 500/µl), ist die erste kritische Phase der Stammzelltransplantation vorüber und die Isolation des Patienten kann gelockert werden. Durchschnittlich ist es etwa vier Wochen nach dem Tag der Transplantation soweit.

Gut zu wissen: Dass die Transplantation tatsächlich funktioniert hat und die neuen Blutzellen von den gespendeten Stammzellen kommen, kann mit besonderen Untersuchungen an den Leukozyten (der sogenannten Chimärismus-Analyse) nachgewiesen werden. Bei Blutgruppenunterschieden ändert sich auch diese in die Blutgruppe des Spenders. Abhängig von der Grunderkrankung wird am Tag+28 eine Knochenmarkpunktion durchgeführt. Oft wird zu diesem oder einem späteren Zeitpunkt auch geschaut, ob der zuvor nachgewiesene Defekt mit den Spenderzellen jetzt korrigiert ist.

Seltenen wachsen die Stammzellen nicht an, das heißt sie werden abgestoßen. Man kann dann, in einem zweiten Anlauf, eine erneute Transplantation versuchen.

In aller Regel klingen mit dem Anwachsen der Stammzellen und der Produktion von ausreichend neuen, funktionierenden Abwehrzellen die Infektionen ab, die den Patienten während der Phase der Knochenmarkaplasie belastet haben. Auch Mundschleimhautschäden heilen mit der beginnenden Blutbildung ab und der Patient erholt sich rasch von den Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie.

Das größte Risiko besteht darin, dass sich mit dem Anwachsen des Transplantats und der Regeneration der Blutbildung bestimmte Immunzellen (T-Lymphozyten) des Spenders gegen den Organismus des Empfängers richten, es also zu einer Spender-gegen-Empfänger-Reaktion kommt. In seltenen Fällen kann diese Erkrankung so schwer verlaufen, dass eine wochen- oder monatelange stationäre Behandlung (Infusion von Medikamenten und Nährstoffen) notwendig ist.

Weitere Informationen zur Spender-gegen-Empfänger-Reaktion finden Sie im Kapitel GvH-Krankheit.