Ursachen: Wie entsteht eine Fanconi-Anämie?

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 12.02.2013, Zuletzt geändert: 09.01.2014

Die Fanconi-Anämie (FA) ist eine Erbkrankheit. Sie ist nicht ansteckend und kann auch nicht im Laufe des Lebens erworben werden.

Die FA wird durch Fehler (Mutationen) in bestimmten Erbanlagen (Genen) verursacht. Bisher sind 15 Gene, die so genannten FA-Gene, bekannt, die bei einer FA verändert sein können. Die FA-Gene sind in alphabetischer Reihenfolge bezeichnet (FANC A, FANC B, FANC C und so weiter). Am häufigsten, bei etwa 65% der Patienten, ist das FANC A-Gen betroffen. Ein Großteil der FA-Gene produziert gemeinsam einen Komplex, der aus verschiedenen Eiweißen besteht. Diese Eiweiße sind für wichtige Reparaturvorgänge am Erbmaterial verantwortlich. Wenn diese Reparatureiweiße aufgrund einer genetischen Mutation in einer Zelle nicht richtig funktionieren, werden die Träger des Erbmaterials, die Chromosomen, instabil beziehungsweise brüchig. In der Folge entstehen Fehler bei der Vererbung. Je nach dem, was für ein Zelltyp (zum Beispiel Blutzelle, Knochenzelle, Nierenzelle) von dieser Störung betroffen ist, entstehen dann die gesundheitlichen Probleme, die für Patienten mit FA charakteristisch sind (siehe "Krankheitszeichen"). Außerdem kommt bei der FA hinzu, dass die Reparaturfunktion gestört ist. Normalerweise können „kleinere“ Schädigungen am Erbmaterial durch spezielle Mechanismen selbst repariert werden. Es sind die so genannten DNS-Reparaturmechanismen (die Chromosomen bestehen aus Desoxyribonukleinsäure, DNS). Bei der FA können beide Faktoren (fehlerhafte Zellen sowie ungenügende Reparaturvorgänge) dazu führen, dass die betroffene Zelle entartet. Deshalb haben FA-Patienten gegenüber ihren gesunden Gleichaltrigen ein vielfach erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine bösartige Erkrankung zu entwickeln.

Bei manchen Patienten mit einer FA bestehen zusätzlich zu den FA-Genmutationen noch andere Erbgutveränderungen. Hierzu gehören beispielsweise bestimmte Mutationen in den Genen BCRA2 oder PALB2. Diese Mutationen gehen auch bei sonst gesunden Frauen mit einem erhöhten Krebsrisiko - besonders Brustkrebs und/oder Tumoren der Eierstöcke - einher. FA-Patientinnen mit solchen zusätzlichen Genveränderungen haben ein sehr hohes Risiko, bereits als junge Erwachsene an einem bösartigen Tumor zu erkranken.

Genveränderungen, die zu angeborenen Erkrankungen führen, werden auf unterschiedliche Art vererbt. Bei der FA liegt ein so genannter autosomal-rezessiver Erbgang vor. Das bedeutet, dass ein Kind die veränderten FA-Gene, die bei der Erkrankung eine Rolle spielen, von beiden Elternteilen erhalten muss, damit die Krankheit auftritt (homozygot***‎er Anlageträger). Die Eltern sind dabei so genannte heterozygot***‎e Anlageträger. Das heißt, dass sie nicht an FA erkrankt sein müssen, jedoch zum Teil über veränderte Gene verfügen, die sie an ihre Nachkommen weitergeben können.

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