Diagnostik: Wie wird eine Thrombozytenfunktionsstörung festgestellt?

Autor: PD Dr. med. R. Knöfler, erstellt am: 09.09.2013, Zuletzt geändert: 11.09.2013

Wenn bei einem Kind oder Jugendlichen eine verstärkten Blutungsneigung besteht und/oder nach wiederholten Blutentnahmen die Blutplättchenzahl im Blut des Patienten auch nur leicht vermindert ist (siehe "Krankheitszeichen"), wird der Arzt den Verdacht auf eine Gerinnungs- beziehungsweise Thrombozytenfunktionsstörung erheben. Zur weiteren Abklärung dieser Verdachtsdiagnose sind umfangreiche Untersuchungen erforderlich. Bei Neugeborenen und Säuglingen ohne Zeichen der gesteigerten Blutungsneigung, in deren Familie jedoch bereits Probleme bei der Blutstillung vorgekommen sind, werden meistens zunächst erst die betroffenen Familienmitglieder untersucht, um eine Plättchenfunktionsstörung festzustellen beziehungsweise auszuschließen. Erst danach wird gegebenenfalls eine gezielte Diagnostik beim Kind durchgeführt.

Die Abklärung einer Gerinnungsstörung beinhaltet:

  • ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt zur Krankengeschichte (Anamnese) von Patient und Angehörigen.
  • eine körperliche Untersuchung des Patienten.
  • Blutentnahmen zur Untersuchung von Gerinnungsfaktoren und Blutungszeit, Blutplättchen (Anzahl, Erscheinungsbild unter dem Mikroskop, Funktionen wie beispielsweise, ob sich die Thrombozyten aktivieren lassen, ihre Fähigkeit zur Gerinnselbildung und zum Sich-Anheften), Organfunktionen (zum Beispiel Leber und Niere), insbesondere, wenn der Verdacht auf eine erworbene Plättchenfunktionsstörung besteht.

Die Plättchenfunktionsdiagnostik selbst ist aufwändig und für die meisten Teste sind frisch entnommene Blutproben aus einer Vene erforderlich. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit sollte diese Diagnostik nur in erfahrenen Gerinnungslaboratorien oder in einem Gerinnungszentrum für Kinder erfolgen. Für die deutschsprachigen Länder sind die Kontaktdaten dieser Zentren auf der Webseite (http://www.gth-online.org/home/standing-committees/Staendige-Kommission-Paediatrie.de.php) der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) verfügbar.